Finanzen – Einstieg ins Veranlagungsgeschäft

Dieser Blog beschäftigt sich mit den Grundlagen des Veranlagungsgeschäftes. Es geht darum, dass ich Euch aufzeige, welche Gedanken Ihr Euch zu Beginn einer jeden Veranlagung machen solltet. Es geht dabei noch nicht um die Veranlagungsinstrumente (Anleihen/ Aktien/ Zertifikate/ etc.) sondern viel mehr darum, dass wir die Grundlagen klären.

 Warum sollte man überhaupt Geld veranlagen?

Es gibt verschiedene Gründe, warum Jemand sparen sollte. Wichtig ist jedoch, dass man kurzfristige Liquidität angespart hat, da immer etwas Unvorhergesehenes passieren könnte (Waschmaschine kaputt/ Auto streikt/ Jobverlust/…). Als Kennzahl dafür wird gesagt, dass man ca. 3 Monatsgehälter kurzfristig zur Verfügung hat. Weitere Gründe sind beispielsweise: das Traumauto, eine Weltreise oder ein früherer Eintritt in die Pension. Eins der größten finanziellen Ziele, das man erreichen kann, ist, dass man finanziell Unabhängig ist. Oder wie gefällt Euch der Gedanke, dass Ihr von den Zinsen Eurer Ersparnisse leben könnt und somit machen könnt, was Ihr wollt?

Jeder von Euch bezieht natürlich ein unterschiedliches Gehalt und jeder von Euch lebt einen anderen Lebensstil. Mein Tipp ist, dass Ihr Euch einen gewissen Lebensstandard aufbaut, diesen aber dann beibehaltet. Konkret geht es darum, dass Ihr Euren Lebensstandard nicht durch Gehaltserhöhungen steigert, sondern die Gehaltserhöhung nutzt um Eure monatliche Sparleistung zu erhöhen. Den Vorteil (Cost-Average Effekt) einer monatlichen Sparleistung erläutere ich Euch in dem folgenden Blog in dieser Rubrik.

Jetzt gehen wir davon aus, dass Ihr schon fleißig gespart habt und jetzt vor der Entscheidung steht, wie Ihr Euer Geld veranlagen sollt.

Wofür dient das Kapital?

Elementar wichtig ist, dass Ihr Euch diese Frage stellt. Es macht einen riesen Unterschied, ob Ihr das Kapital nächstes Jahr für den Urlaub braucht oder das Kapital beispielsweise für Euren Weg zur finanziellen Unabhängigkeit ist. Es geht dabei vor allem um die Anlagedauer. Grundsätzlich ist es so, dass je längerfristig Gelder veranlagt werden, desto höher darf der Aktienanteil dabei sein.

B-A-S-E-L

Dieser Abkürzung ist leicht zu merken und jeder Buchstabe ist der Anfangsbuchstabe eines Wortes:

B etrag: Welcher Betrag soll veranlagt werden (denkt immer daran, dass Ihr kurzfristige Liquidität benötigt)

A nlagedauer: Jetzt kommen wir schon der bereits vorgestellten Frage. Wie lange kann das Kapital veranlagt werden?

S icherheit: Jetzt kommt Eure Persönlichkeit ins Spiel. Wie Risikofreudig seid Ihr? Damit ist gemeint, welche Schwankungen Ihr aushaltet. Ist es Euch egal, wenn Eure Veranlagung kurzfristig auch um 20% fällt oder vertragt Ihr dies gar nicht.

E rtrag: Welchen Ertrag soll Eure Veranlagung bringen? Soll die Kaufkraft (Inflationsausgleich) erhalten bleiben oder wollt Ihr einen Mehrwehrt erwirtschaften?

L iquidität: Wie schnell soll die Veranlagung wieder auflösbar sein, sodass Ihr über das Geld verfügen könnt?

Gerade die letzten drei genannten Punkte können Konkurrent zu einander sein. Je höher die Sicherheit sein soll, desto weniger Ertrag wird eine Veranlagung bringen. Es gibt leider in der Veranlagung noch nicht die „Eierlegendewollmilchsau“. Daher müsst Ihr Euch immer bewusst sein, dass Aktien tendenziell eine bessere Rendite wie Anleihen bringen werden, dafür aber auch das Risiko höher ist und sollten Aktien kurzfristig fallen, dann müsst Ihr dies aushalten und könnt sich nicht direkt liquidieren.

 Folgende Grafik soll Euch verdeutlichen, welche Anlagekategorien bei welchem Anlagehorizont sinnvoll sind.

Anlagepyramide

Langfristig und historisch betrachtet haben Aktien die besten Renditen gebracht, aber dafür muss man auch kurzfristige Verluste aushalten können. Dahingegen ist Euer Geld auf dem Konto relativ sicher, aber dafür erhaltet Ihr kaum eine Rendite.

 Eine weitere Möglichkeit, dass man das Risiko eines Portfolios reduziert ist die Risikostreuung. Ich erkläre es meinen Kunden immer so: Ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird. Es wäre eine absolute Lüge, wenn ich sagen würde, dass die Aktien morgen, übermorgen oder nächstes Jahr höher stehen werden. Ich kann lediglich die Ist-Situation analysieren und mir eine Tendenz überlegen. Aus diesem Grund sollte ein Portfolio aus verschiedenen Mosaiksteinen bestehen. Diese Mosaiksteine stehen jeweils für eine Strategie (bspw. Dividendenstrategie/ Long-Short Strategie/ etc.). Durch diesen Ansatz bekommt man unterschiedliche „Denkweisen“ in ein Depot und ist dadurch auch nicht so anfällig. Folgendes Beispiel: Ihr könnt in einen Schirmhersteller und in eine Eisdiele investieren.

Jetzt kommt der Zocker und investiert nur in den Schirmhersteller. Der Sommer ist daraufhin sehr verregnet und der Schirmhersteller verkauft sehr viele Schirme. Der Zocker freut sich und macht einen großen Gewinn.

Jetzt kann es aber sein, dass es ganz anders kommt: Der Sommer ist sehr heiß und der Schirmhersteller verkauft nun keinen Schirm. Somit macht der Zocker einen großen Verlust.

Bei diesem Paradebeispiel spricht man von einer negativen Korrelation von -1. Dies bedeutet, dass wenn die Eisdiele viel Gewinn macht, dann macht der Schirmhersteller einen großen Verlust et vice versa.

 

Dieses Beispiel soll Euch verdeutlichen wie wichtig eine Streuung ist. Natürlich könnt Ihr Glück haben, dass Ihr genau den richtigen Wert erwischt, aber das Risiko für einen Verlust ist auch sehr hoch.

 

Ich persönlich bin sogar ein Fan von aktiv gemanagten Fonds. Erstens verstehe ich die Prozesse innerhalb eines Fonds sehr gut, da ich gelernter Investmentfondskaufmann bin und zweitens bekomme ich durch Fonds noch eine viel größere Streuung in mein Portfolio. Des Weiteren bekomme ich durch Fonds auch noch die Expertise von verschiedenen Managern in mein Depot. Denn warum sollte ich als Berater schlauer als alle anderen Fondsmanager sein?!

Natürlich werden jetzt einige argumentieren, dass die Kosten bei einem Fonds zu hoch sind. Da gebe ich Euch auch vollkommen Recht, aber im Endeffekt zählt für mich die Leistung eines Fondsmanagers nach Kosten. Es bringt mir als Anleger nichts, wenn Ihr einen Fonds A mit einer TER (alle Kosten, die innerhalb des Fonds anfallen) von 0,5% habt und dieser eine Rendite von 3% vor Kosten bringt, wenn es einen Fonds B mit einer TER von 1,5% gibt, der 7% vor Kosten erwirtschaftet.

Denn nach Kosten macht Fonds A 2,5% und Fonds B 5,5%. Daher ist mein Ansatz auch nicht, dass ich die Fondsgebühren als primären Auswahlfaktor berücksichtige.

 

Dies soll jetzt aber nicht heißen, dass ich in meinen Kundendepots ausschließlich in Fonds investiere. Ich greife auf das ganze Anlagespektrum (außer hochspekulatives) zu. Oftmals analysiere ich einen Einzeltitel und unter Berücksichtigung einer Chartanalyse ergeben sich sehr gute Investitionschancen.

 

Zusammenfassend lässt sich folgendes feststellen:

1) Zunächst ist es wichtig, dass Ihr kurzfristige Liquidität zur Verfügung habt und diese sollte auch nicht für Finanzinvestitionen genutzt werden.

2) Denkt an den Begriff „BASEL“. Ganz wichtig ist vor allem der Anlagehorizont.

3) Vorsichtig bei Beratern, die Euch eine hohe Rendite ohne Risiko versprechen. Dies ist de facto nicht möglich.

4) Streut Euer Portfolio in verschiedene Investments

 

Wie immer am Ende meiner Blogs bitte ich Euch wieder um ein kurzes Feedback. Was sind Eure Erfahrungen?

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