Finanzen – Anleihen

Nachdem Ihr Euch zunächst Gedanken gemacht habt, wie Ihr Euer Geld investieren wollt (siehe Blog Einstieg ins Veranlagungsgeschäft), geht es nun in diesem Blog darum, dass wir uns ein Anlageinstrument anschauen werden – Anleihen.

 

Vereinfacht gesagt ist eine Anleihe ein festverzinsliches Forderungspapier eines Unternehmens oder eines Staates. Der größte Anteil der Staatsschulden besteht aus Anleihen. Diese Anlageform gibt es schon sehr lange und diente in der Vergangenheit vor allem darum, dass ein Staat mit Anleihen seinen Krieg finanzierte. Meines Wissens wurden die ersten Anleihen von Venedig im 12 Jahrhundert begeben. Venedig verschuldete sich dabei bei ihren Bürgern um den Krieg zu finanzieren.

Seit jeher ist diese Anlageform für Staaten eine gute Möglichkeit um Kapital zu beschaffen.

Anleihen sind Forderungspapiere, das heißt, dass bspw. ein Unternehmen (Schuldner) Anleihen begibt und dadurch Fremdkapital von Euch bekommt. Ihr bekommt im Gegenzug jedes Jahr eine Zinszahlung von dem Unternehmen. Am Ende der Laufzeit bekommt Ihr Euer Geld dann wieder zurück. Ihr leiht somit dem Unternehmen Euer Geld und habt im Gegenzug die Forderung auf Zinszahlung und darauf, dass Ihr Euer Kapital zurückbekommt. Der Part, der eine Anleihe begibt, heißt Emittent.

Der zuzahlende Zins bei einer Anleihe hängt vor allem von dem Risiko des Emittentenausfalls ab. Ihr leiht Euer Geld einem Unternehmen und dieses geht Pleite und kann die Schulden nicht mehr bedienen. Somit muss ein Unternehmen, welches Risikoreicher ist, einen höheren Zins zahlen, da es ansonsten keine Gläubiger findet, die ihre Anleihen zeichnen.

Um das Risiko eines Unternehmens besser abschätzen zu können, gibt es „unabhängige“ Ratingagenturen, welche ein Unternehmen bewerten. Je nach Ratingagentur (Moody´s/ Standard and Poors/ Fitch/ etc) ist die Bestnote mit drei A (AAA/ Aaa) angegeben und fällt dann im Alphabet AA – A – BBB – BB etc. Alle Emittenten bis BBB gelten als Investmentgrade und die Emittenten darunter als Non-Investmentgrade. Bei diesen gilt schon, dass man besondere Vorsicht walten lässt. Des Weiteren gibt es viele Fondsgesellschaften, die beispielsweise auch nur Anleihen mit Investmentgrade kaufen dürfen.

 Bei Einzelinvestments in Anleihen ist es aber auch wichtig, dass Ihr Euch selber vorher ein Bild des Unternehmens/ Staates macht, da die Ratingagenturen meiner Meinung nach nur bedingt unabhängig sind. Denn ein Unternehmen beauftragt eine Ratingagentur und zahlt Geld dafür, dass das eigene Unternehmen bewertet wird. Dadurch entsteht ein Interessenskonflikt für die Ratingagenturen, da sie einerseits Kunde sind und Geld erhalten, aber auf der anderen Seite das Unternehmen fair bewerten sollen und Gefahr laufen, dass wenn sie das Unternehmen zu schlecht bewerten keinen Folgeauftrag mehr zu bekommen. Auch hat die Vergangenheit gezeigt, dass diese Ratings nicht immer zu treffen, da in der Finanzkrise (bzw. kurz vorher) noch hochspekulative Anleihen mit AAA bewertet waren und kurz darauf waren diese wertlos.

 Ein weiterer Faktor, welcher die Höhe der Zinszahlung beeinflusst, ist die Laufzeit einer Anleihe. Je länger eine Laufzeit ist, desto höher ist normalerweise auch der Zinssatz, da das Risiko mit der Laufzeitlänge steigt.

 Des Weiteren wird ein Zinssatz auch von der Ausgestaltung einer Anleihe beeinflusst. Hat der Emittent beispielsweise irgendwelche Rechte, dass er die Anleihe vorzeitig tilgen (zurückzahlen) darf, dann erhöht dies meistens auch den Zinssatz.

 Anleihen werden zumeist in Prozent gehandelt und mit 100% emittiert und auch wieder mit 100% zurückgezahlt. Während der Laufzeit hängt jedoch der Kurs einer Anleihe auch von Angebot und Nachfrage und dem Zinsniveau ab und kann weit über oder unter 100% liegen. Wenn Ihr eine Anleihe an der Börse kauft und der Kurs bspw. bei 105% steht, dann erhaltet Ihr den Zins auf 100% nominal und zahlt aber 105%. Zum Laufzeitende bekommt Ihr 100% zurück und macht somit einen Kursverlust von 5%. Daher ist auch nicht die Verzinsung gleich Eure Rendite. Wenn jetzt diese Anleihe 4% p.a. an Zinsen zahlt und noch eine Laufzeit von 5 Jahren hat, dann ist Eure Rendite ungefähr 3% p.a. Auf den meisten Börsenportalen wird Euch neben der Verzinsung auch die Rendite angegeben. Wie man diese genau berechnet müsst Ihr an dieser Stelle nicht wissen. Also ist für Euch die wichtigere Kennzahl die Rendite und diese müsst Ihr immer bei verschiedenen Anleihen vergleichen.

 Anleihen sind Fremdkapital für ein Unternehmen, daher habt Ihr als Gläubiger auch kein Mitspracherecht, da Ihr lediglich Fremdkapitalgeber seid. Je nach Zins- und Marktumfeld lohnt sich die Ausgabe von Anleihen für ein Unternehmen mehr oder weniger. Es kommt immer darauf an, wie hoch die Finanzierungskosten bei den Banken wären. Sollte es für ein Unternehmen günstiger sein, wenn Sie Fremdkapital durch Banken aufnimmt, dann wird es das Unternehmen so machen.

Das Verlustrisiko bei den meisten Anleihen (Ausnahmen: Hybrid- und Nachranganleihen) beschränkt sich auf das eingesetzte Kapital. Im Worst Case macht Ihr somit 100% Verlust. Daher ist meine Empfehlung, dass Ihr bei Euren Anleiheninvestments darauf achtet, dass Ihr nur gute Staaten und Unternehmen kauft und sollte der Zinssatz weit über dem Marktniveau liegen, dann könnt Ihr schon vorsichtig sein. Des Weiteren empfiehlt sich bei Anleihen eventuell ein Investment über Anleihenfonds, da diese meist über 100 Titel im Portfolio haben und somit ein kompletter Kapitalverlust gegen Null tendiert.

 Im aktuellen Marktumfeld empfehle ich jedoch meinen Kunden kein Investment im Anleihenbereich über Investmentfonds. Da die Zinsen derzeit extrem günstig sind haben viele Anleihen schon eine Negativrendite (die Kurse der Anleihen stehen weit über 100%). Da ein Fonds immer den tagesaktuellen Kurs einer Anleihe in seiner Bewertung einberechnet ist die Gefahr sehr groß, dass ein Anleihenfonds fallen wird, sobald die Zinsen ein bisschen steigen. Nichtsdestotrotz wird es in Zukunft auch wieder Zeiten geben, in denen Anleihefonds attraktiv sein werden und daher sollte man sich in diesem Bereich auch auskennen.

 

An diesem Punkt seid Ihr wieder am Zug: Habt Ihr noch Fragen zu dem Bereich Anleihen oder soll ich Euch auch spezielle Anleihenformen (Zero-Bonds/ Nachranganleihen/ etc.) noch erklären? Wie ist Euer Feedback zu diesem Blog?

 

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